Wohnen muss man sich nicht verdienen.
Ein Gespräch mit Melanie Dense von der Vector Stiftung in Stuttgart.
Frau Dense, Sie haben sich bei der Vector Stiftung dazu entschlossen, das Zusammen Leben Festival am 19. und 20. Juni 2026 großzügig finanziell zu unterstützen. Warum?
Melanie Dense: Die Themen Wohnungslosigkeit und Wohnen, also vor allem bezahlbares Wohnen, sind schon lange ein wichtiger Bestandteil unserer Förderungen. Das Festival ist eine gute Gelegenheit, dass engagierte Menschen aus ganz Deutschland zu diesem Thema miteinander ins Gespräch kommen. Vor Ort, persönlich. Und das in Stuttgart, in unserer Landeshauptstadt in Baden-Württemberg. Da sind wir gern dabei.
Stuttgart ist ein teures Pflaster zum Wohnen?
Leider ja. Wir finden jedoch: Wohnen muss man sich nicht verdienen. Es ist ein Menschenrecht und da stehen wir sehr dahinter. Und deshalb fördern wir nicht nur gute Ideen, wie das Zusammen Leben Festival, sondern wir investieren auch ganz konkret in Sozialimmobilien hier in der Region.
Was ist eine Sozialimmobilie?
Ein aktuelles Beispiel ist ein Mehrfamilienhaus in Hemmingen, im Landkreis Ludwigsburg. Da gab es ein brachliegendes Grundstück, bei dem vorherige Investoren abgesprungen waren. Wir haben das Grundstück 2020 gekauft, bebaut und an die Kommune vermietet. Nun vermietet die Stadt Hemmingen unsere sechs Wohnungen unbefristet an wenig wohlhabende Familien zu einer sehr moderaten Miete. So was rettet nicht die Welt, aber es ist ein kleiner Schritt. Ich bin immer dafür, zu machen, nicht nur zu reden.
Sie unterstützen auch sehr aktiv im Bereich „Housing First“?
Ja, das ist mir sogar ein sehr persönliches Anliegen. Kaum jemand weiß, dass wir hier in Stuttgart über 8000 Wohnungslose haben. Das Thema wird einfach verdrängt. Das wollen wir nicht so einfach akzeptieren und arbeiten dagegen an. Der Ansatz von Housing First, wohnungslose Menschen direkt mit Wohnraum zu versorgen, statt sie ein Hilfesystem, in dem sie sich beweisen müssen, durchlaufen zu lassen, überzeugt uns. Deshalb fördern wir gemeinsam mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg auf Landesebene sechs Projekte hier im Bundesland.
Apropos Baden-Württemberg, das „Ländle“ gilt ja als Zentrum eher konservativ denkender Häuslebauer. Stoßen sie mit ihren innovativen Ideen nicht auch auf viel Gegenwehr?
Wir sind ja nicht ideologisch oder politisch unterwegs. Wir sprechen durch unsere Projekte und zeigen, wie es anders gehen kann. Aber niemand wird gezwungen oder soll gezwungen werden. Ich zum Beispiel lebe mit meiner Familie ja auch in einem Einfamilienhaus und das finden wir sehr schön. Aber es gilt eben, gerade hier im Ländle, neue Ideen und Alternativen aufzuzeigen: Wie können wir ressourcensparender leben? Welche neuen Formen von Gemeinschaft gibt es? Das Schöne an einer privaten Stiftung ist ja: Wir dürfen auch mal gegen den Strich bürsten.
Was erhoffen Sie sich vom Zusammen Leben Festival?
Wir als Stiftung sind vor allem an konkreten Projekten interessiert und wollen die Gelegenheit nutzen, unser Netzwerk zu erweitern. Ein Beispiel für ein innovatives von uns gefördertes Projekt ist z.B. das vom Architektenverein Adapter entwickelte Zwischen-Wohnen in einer ehemaligen Fabrikhalle in Wendlingen. In diesem Wohnprojekt wurden die Hallen eines historischen Spinnerei-Gebäudes mit einem flexiblen Innenausbau-System zu Wohnraum umgebaut und gemeinschaftliches Zwischen-Wohnen erprobt. Das Vorhaben war auch Teil der IBA’27.
Frau Dense, vielen Dank für Ihre Förderung. Wir freuen uns auf Sie beim Zusammen Leben Festival.
Infokasten Vector Stiftung
Die 2011 gegründete, unternehmensverbundene Vector Stiftung hält 60 Prozent der Anteile der Vector Informatik GmbH und finanziert sich über deren Dividende. Jährlich fördert sie rund 650 Projekte und Spenden mit etwa 12 Mio. Euro und hat seit ihrer Gründung über 100 Mio. Euro für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. Ihre Schwerpunkte liegen in technikwissenschaftlicher Forschung, MINTBildung sowie der Bekämpfung von Wohnungs und Jugendarbeitslosigkeit in BadenWürttemberg.
Melanie Dense ist seit 2022 Senior Projektmanagerin Soziales Engagement bei der Vector Stiftung. Im Ehrenamt ist sie Vorständin des Vereins „Lernort Stadion“, der sich für politische Bildung für benachteiligte Jugendliche einsetzt. An spielfreien Tagen verwandeln sich bundesweit Stadien in das schönste Klassenzimmer der Welt.





























